Demokratische Republik Kongo


Urwald in Gefahr


Der Regenwald im Kongo ist bedroht. Kommerzieller Holzeinschlag und Brandrodungen setzen dem zweitgrößten Urwald der Erde zu. Experten warnen vor den Folgen für das Weltklima. Die Umweltorganisation CEDEN macht sich für einen nachhaltigen Umgang mit dem Tropenwald stark.

Nachts, wenn sie am Feuer sitzen, sind die Sorgen für einen Moment vergessen. Der Himmel spannt sich sternenübersät über ihren Köpfen, der Urwald liegt schwarz und mächtig hinter ihren Hütten. Es gluckst und gurrt, zirpt und quakt, der Wald singt in tausend Tönen. Es ist, als sei er gänzlich unversehrt.

Doch am Tage sieht es anders aus. „Unser Wald ist bedroht“, sagt Félicien Ikomo Nkuli aus Ikoko-i-Mpenge, einem jener typischen Regenwalddörfer in der Demokratischen Republik Kongo, die sich über Kilometer links und rechts an der staubigen Verbindungsstraße entlang ziehen. Nkuli hat ein paar Männer und Frauen um sich geschart, sie haben Gäste von einer kongolesischen Umweltorganisation. Es sind unruhige Zeiten für Ikoko-i-Mpenge. „Neulich“, erzählt der große hagere Mann, „waren Männer von einer Holzfirma hier. Sie haben die Fällerlaubnis vom Staat.“

Im Kongobecken liegt das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde. Mehr und mehr legen Menschen dort Hand an. Holzfirmen ziehen im großen Stil Tropenhölzer aus dem grünen Dickicht und Kleinbauern brennen sich Flächen für den Ackerbau frei. Beides zusammen gibt eine unheilvolle Mischung: Klimaexperten warnen vor den Folgen für das Weltklima, wenn der Raubbau am Regenwald nicht bald gebremst wird.

„Wir haben in unseren Wäldern kaum noch Rechte“, klagen die Dorfbewohner, die jetzt plötzlich mit dem kongolesischen Forstgesetz zu tun haben. Die Männer der Umweltorganisation Cercle pour la Défense de l’Environnement (CEDEN) haben ihnen eine kleine Broschüre gebracht - das Forstgesetz in Comicbildern und mit kurzen Texten. „Wir lesen und versuchen zu verstehen, was gut ist und was schlecht“, sagt Félicien Ikomo Nkuli. Zwar hat der Staat ihre Waldgebiete an industrielle Holzfäller vergeben, doch müssen die Firmen laut Gesetz mit den Dörfern in ihren Konzessionsgebieten verhandeln und ihre Infrastruktur stärken.

„Die Rechte und Pflichten der Holzfirmen sind den Dörflern meist nicht bekannt“, klagt Matthieu Yela Bonketo, Koordinator von CEDEN. Da gebe dann manch ein Dorfchef das örtliche Waldgebiet für ein paar Matratzen, Stühle, Dachziegel oder Seifenstücke ab, anstatt auf den Bau einer Schule oder Gesundheitsstation zu drängen. Der Handel zwischen Dörfern und Holzindustrie ziele oftmals nicht auf die Zukunft, dabei greife der industrielle Holzeinschlag in die Lebensgrundlage der Dörfer ein: Tiere fliehen beim Krach der Maschinen aus dem Wald, Wirtsbäume von Raupen – sie sind für viele Urwaldbewohner die wichtige Proteinquelle – werden gefällt, wilde Obstbäume zerstört.

Schon jetzt machen sich die Bewohner von Ikoko-i-Mpenge Sorgen um ihr täglich Brot: „Unsere Frauen laufen drei, vier Stunden bis zu ihren Feldern“, erzählt Félicien Ikomo Nkuli. „Sie kämpfen, um dem Boden ein bisschen Mais, Maniok oder Süßkartoffeln zu entlocken.“

Brandrodung ist neben dem Holzeinschlag der zweite Feind von Urwald und Mensch: Die Kleinbauern legen Feuer, um Fläche zu gewinnen. Wind und Regen treiben Asche und oberste Erdschicht weg, der Boden verliert schnell seine Kraft. Nach zwei, drei Jahren müssen sie weiterziehen.

Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt: „Nehmt das Feuer als Helfer, nicht als Zerstörer“, sagt der Baptistenpfarrer Matthieu Yela Bonketo mit eindringlicher Stimme. „Wartet auf den Regen. Legt das Feuer, so lange noch Wassertropfen auf den Blättern sind, und brennt nur kleine Parzellen ab. Eure Frauen dürfen nicht alles auf einmal weg brennen, sonst trägt der Wind die Asche mitsamt den guten Stoffen weg.“

Träger: Cercle pour la Défense de l’Environnement (CEDEN)

Finanzierung (drei Jahre) „Brot für die Welt“: € 144.592,–

Was kostet wie viel?
Comic zum Forstgesetz: € 2,70
CEDEN-Banner für Öffentlichkeitsarbeit: € 10,20

Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie im Internet unter www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/ceden

Text: Kerstin Wörnle, Foto: Christoph Püschner